Selbsthilfegruppe Hautkrebs Buxtehude
Selbsthilfegruppe Hautkrebs Buxtehude

Hautkrebs, Sonne und Vitamin D...          Wie soll ich mich verhalten?

Vortrag im Elbe Klinikum Buxtehude

Herr Dr. Rüdiger Greinert und Frau Dr. Beate Volkmer, beide leiten das Forschungslabor für Molekulare Zellbiologie des Elbeklinikums Buxtehude, informierten vor großem Publikum über Nutzen und Schaden von UV-Strahlung. Die Sonnen-strahlung, die die Erde erreicht setzt sich zusammen aus 0,4% UVB, 3,9% UVA, 51,8% sichtbarem Licht und 43,9% Infra-rotstrahlung, wobei der Nutzen der Sonnenstrahlung wie Licht, Wärme und Photosynthese den Anteilen an sichtbarem Licht und Infrarotstrahlung zuzuordnen ist. Der einzige positive Effekt, für den UV-Strahlung verantwortlich ist, ist

die Vitamin D Produktion in der Haut durch UVB-Strahlung.

 

Demgegenüber steht die schädigende Wirkung von Sonnenstrahlung wie Schwächung des Immunsystems,  Schädigung der Augen, vorzeitige Hautalterung, Sonnenbrand, Krebserkrankung und  erhöhte Photosensibilität, die durch den UV-Anteil des Sonnenspektrums  hervorgerufen wird. Auch der augenfälligste Effekt, die Bräunung ist kein Zeichen von Gesundheit, sondern ein Notprogramm der Haut, um das Erbgut der Hautzellen vor UV-bedingten Schäden zu schützen. Dieser Schutz ist allerdings nicht sehr hoch und schon bevor ein Sonnenbrand entsteht werden viele Schäden im Erbgut erzeugt. In Laboruntersuchungen können diese Schäden sichtbar gemacht werden.

 

Wie entsteht Hautkrebs?

UV-Strahlung (natürliche von der Sonne und künstliche im Solarium) schädigt das Erbgut der Hautzellen. Obwohl die Hautzellen diese Schäden gut reparieren können, ist dieser Reparaturprozess nicht fehlerlos. Je mehr Schäden repariert werden müssen, umso größer ist die Gefahr einer Fehlreparatur, die zu einer Veränderung im Erbgut führt und somit das Hautkrebsrisiko erhöht.

 

In Deutschland erkranken jährlich 265 000 Menschen neu an Hautkrebs.  Der häufigste Hautkrebs ist das Basalzellkarzinom (ca. 150 000), das so gut wie nie metastasiert, gefolgt vom Plattenepithelkarzinom (ca. 85.000), das ab einer bestimmten Größe metastasieren kann.  Der bösartigste Hautkrebs, das maligne Melanom tritt mit  30.000 Neuerkrankungen im Jahr am seltensten auf, ist aber für den größten Teil der hautkrebsbedingten ca. 3.000 Todesfälle pro Jahr verant-wortlich. Früherkennung ist deshalb wichtig. Ab einem Alter von 35 Jahren werden alle zwei Jahre die Kosten für eine Hautkrebsscreening, das beim Hausarzt oder Dermatologen durchgeführt wird, von den Krankenkassen übernommen.

 

Die Vitamin-D-Problematik!

Vitamin-D kann durch die Nahrung (z. B. Fisch, Milch, Pilze) aufgenommen werden, der größte Anteil wird jedoch durch UVB in der Haut gebildet. Gleichzeitig ist eine hohe UVB-Belastung der Haut für die Hautkrebsentstehung verantwortlich. International hat man sich darauf geeinigt, dass ein Vitamin-D-Serumspiegel < 20 ng/ml suboptimal, 20-30 ng/ml ausreichend und > 30 ng/ml optimal ist. Der im Blutserum gemessene Vitamin-D-Spiegel (25-OH-Vitamin-D) ist ein kleiner Bereich des komplexen Vitamin-D-Stoffwechsels, so wird die biologisch aktive Form des Vitamins erst in der Niere oder in anderen Körperzellen gebildet. Viele weitere Aspekte, wie z.B. die genetische Variante des Vitamin-D Rezeptors auf den Zellen,  können einen Einfluss auf die Effektivität von Vitamin-D haben. Die Rolle von Vitamin-D

für die Knochengesundheit ist gut erforscht, der zugrunde-liegende Mechanismus ist bekannt. Überzeugende Daten gibt es auch dafür, dass ein niedriger Vitamin-D-Serumspiegel neben dem Frakturrisiko auch das Sturzrisiko und erhöht. Für den Zusammenhang eines niedrigen Vitamin-D-Serumspiegels mit einem erhöhten Risiko an Krebs zu erkranken, gibt es keine ausreichende Evidenz. Dafür gibt es Hinweise darauf, dass ein niedriger Vitamin-D-Serumspiegel in Folge einer Krankheit auftreten kann und nicht die Ursache der Erkrankung ist.

Neue Daten deuten auf einen besseren Verlauf der Krebs-erkrankung in Abhängigkeit vom Vitamin-D-Serumspiegel bei bestimmten genetischen Voraussetzungen hin.

 

Wieviel UV-Strahlung brauchen wir?

Nach einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission

und des UV-Bündnisses (www.bfs.de) genügt es für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung Gesicht, Hände und Unterarme unbedeckt und ohne Sonnenschutz zwei- bis dreimal pro Woche der Hälfte der UV-Dosis auszusetzen, in

der man ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde. Beispielsweise bedeutet dies für Menschen mit Hauttyp II bei hohen sonnenbrandwirksamen UV-Bestrahlungsintensitäten (UV-Index 7) rein rechnerisch eine Bestrahlungszeit von ca. 12 Minuten. Den aktuellen UV-Index und eine Vorhersage findet man im Internet (z. B.  www.bsf.de oder www.uv-index.de).

Bei längeren Aufenthalten in der Sonne sind UV-Schutz-maßnahmen zu ergreifen. Ein Sonnenbrand ist grundsätzlich zu vermeiden.

 

Ein Vernünftiges Verhalten erlaubt es, die guten Seiten der Sonne zu genießen und das Hautkrebsrisiko klein zu halten. Die erste Priorität hat dabei das Vermeiden der UV-Strahlung: z. B. über Mittag Schatten aufsuchen. Danach kommt der textile Sonnenschutz: T-Shirt, Sonnenhut (und Sonnenbrille), knielange Hose, Schuhe. Schließlich alle nicht bedeckten Hautpartien mit Sonncreme (LSF 30) eincremen.

 

Von starken, nicht ärztlich kontrollierten UV-Bestrahlungen (Sonne oder Solarium) zum Zweck der Vitamin-D-Bildung, der Selbsttherapie eines Vitamin-D-Mangels oder der Bräunung wird dringend abgeraten. Die erstmalige Nutzung eines Solariums in jungen Jahren (< 35 Jahre) verdoppelt annähernd das Risiko, an schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken. In Deutschland ist für Minderjährige die Nutzung eines Solariums gesetzlich verboten.

Frühlingssonne mit Bedacht genießen

Deutsche Krebshilfe und ADP geben einfache UV-Schutztipps. Mehr Informationen dazu finden Sie unter dem nachfolgenden Link:

Frühlingssonne mit Bedacht genießen

Im Winterurlaub auf UV-Schutz achten

Im nachfolgenden Link erfahren sie wichtige Informationen darüber, wie sie ihre Haut im Winterurlaub vor der Sonne schützen können:

Tipps zum Schutz vor Hautkrebs
 

Zweiter Deutscher Hautkrebs-Patiententag gut besucht

Aufklärung, Prävention, neueste Therapien, Stressbewältigung und Patientenorientierung – das waren nur einige Themen des zweiten deutschlandweiten Hautkrebs-Patiententages in Hamburg.

Nach der positiven Resonanz auf den ersten Hautkrebs-Patiententag letztes Jahr in Berlin lud das Hautkrebs-Netzwerk Deutschland e.V. unter der Schirmherrschaft der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) in die winterliche Hansestadt. In der warmen Atmosphäre der Katholischen Akademie unweit der Alster berichteten ausgewiesene Experten ihres Faches am 12. November 2016 über die wissenschaftlichen Hintergründe, die medizinischen Grundlagen sowie aktuellste Entwicklungen und Forschungsergebnisse zum Thema Hautkrebs.

Annegret Meyer, Vorsitzende des Hautkrebs-Netzwerks Deutschland e.V. Foto: A. Meyer /Conventus

Und so nahmen am Samstag bis zu 85 interessierte Zuhörer aus ganz Deutschland das offene Angebot in Anspruch, das viel zu bieten hatte. Nach der Eröffnung durch die Vorsitzende des Hautkrebs-Netzwerks Deutschland e. V., Frau Annegret Meyer, reichte das Themenspektrum von der Prävention des Hautkrebses über psychoonkologische Fragen und komplementäre Methoden bis zu den neuesten gezielten und immuntherapeutischen Ansätzen gegen das Maligne Melanom.

Vertreter der SHGs: V. Hodel (Freiburg), A. Meyer und M. Kiehl (Buxte-hude), C. Hennig (Chemnitz) und C. Ehl (Berlin). Foto: Conventus

Individuelle Therapie – Nebenwirkungen unbedingt melden

Wie auch andere Krebsarten hat das Melanom durch die Entwicklung und Zulassung neuer Therapien etwas von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Krebsmedizin wird immer individueller. Neue Ansätze, beispielsweise der Immuntherapie, beinhalten auch die Analyse der individuellen genetischen Veranlagung der Patienten, um dann maßgeschneiderte Wirkstoffe zum Einsatz zu bringen.

Dr. Peter Mohr, Foto Conventus

Wie der Leiter des Hautkrebszentrums Buxtehude, Dr. Peter Mohr, in seinem Vortrag berichtete, geht die Entwicklung dahin, in Zukunft zwei und mehr Medikamente zu kombinieren, um die bereits beachtlich gestiegenen Überlebenszeiten beim schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, noch weiter zu verlängern. Allerdings wird das auch mit stärkeren Nebenwirkungen einher gehen, die deshalb noch besser verstanden werden müssen. Ein wichtiger Rat an die Patienten lautet: Melden Sie alle Nebenwirkungen sofort Ihrem Arzt, damit rasch gehandelt werden kann.

Stärkung in der Pause. Foto: A. Meyer / Conventus

Individuelle Krankheitsverarbeitung bringt Erfolg

Auf der anderen Seite steht die individuelle Verarbeitung der Krebs-diagnose. Wie kommt der Betroffene am besten mit der Bedrohung durch den Krebs zurecht und welche Möglichkeiten hat er selbst, positiv Einfluss auf die Krankheit zu nehmen? Der Patient wird immer mehr als wichtiger Mitspieler im Heilungsprozess wahrgenommen – wie er dieser Rolle besser gerecht wird, war auch ein Anliegen dieses Patiententags.

Wie der Leiter der Spezialambulanz für Psychoonkologie am UKE,
Dr. Frank Schulz-Kindermann erklärte, gelte es zu akzeptieren, dass es nach einer Krebsdiagnose kein „Weiter so“ gibt. Stattdessen brauchen Patienten Unterstützung dabei, ihre ganz individuellen Kraftquellen zu entdecken, um ihr Immunsystem und damit den Heilungsprozess zu unterstützen. Ob Sie Entspannungsübungen, Qi Gong oder ähnliches machen: Es kommt darauf an, die Lebensqualität zu bewahren und sich selbst Gutes zu tun. Die Wirksamkeit einzelner Methoden ist dabei z.T. auch schon wissenschaftlich belegt.

Miteinander sprechen und selbst einordnen

„Was ist Selbsthilfe“? Das schilderte Volker Hodel, Leiter der Selbsthilfe-gruppe Hautkrebs Freiburg, sehr lebendig in seinem Vortrag. In vielerlei Hinsicht bieten Selbsthilfegruppen persönliche Erfahrungen, Unter-stützung und gegenseitigen Informationsaustausch von Betroffenen für Mitpatienten und deren Angehörige. Davon profitiert auch das Arzt-Patientenverhältnis.

Volker Hodel, Leiter der Selbsthilfegruppe Hautkrebs Freiburg,
Foto Conventus

Immer mehr sollen sich Patienten auch bei der Forschung und Zulassung zu neuen Verfahren und Medikamenten einbringen. Hilfreich ist, sich jeweils die allgemeinen Rechte des Patienten auf bestmögliche Behandlung und Mitentscheidung hierbei vor Augen zu führen. Dabei ist es auch legitim, die eigenen Empfindungen und Bedürfnisse ernst zu nehmen. Bereits seit 1948 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO das Grundrecht auf Gesundheit weiter definiert: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. (Quelle: WHO). Dazu sind möglichst gut belegte, geprüfte, verständliche Informationen nötig, um die die Patientenvertreter sich immer intensiver bemühen.

Schülerin Julia Gehrhardt über das Leben mit Hautkrebs.
Foto: A. Meyer /Conventus

Den Betroffenen sei geraten, sich darauf zu besinnen, dass sie es selbst sind, die dies alles am Ende für sich einordnen und bewerten müssen, weil sie ihre ganz persönliche Situation am umfänglichsten kennen. Die Präsentation der Schülerin Julia Gehrhardt, die im Rahmen eines eigenen Projekts eine Vielzahl von Patienten interviewt hatte, bestätigte dies. Auch sie fand, Zugang zu den eigenen Ressourcen zu finden, ist ganz wichtig.


Hans-Walther Bötel

Hautkrebs-Netzwerk Deutschland gegründet

Am 16. März wurde in Berlin das Hautkrebs-Netzwerk Deutschland gegründet. Das zentrale Ziel der Patientenorganisation ist es, die Situation der Hautkrebs-Patienten zu verbessern. Gemeinsam mit medizinischen Experten, Krankenkassen, Hautkrebs-Selbsthilfegruppen, anderen Vertretern des Gesundheitssystems und der forschenden Industrie will der Vorstand daran arbeiten. Er möchte dazu beitragen, den Informationsstand und die Kompetenz der Patienten zu verbessern, den Zugang zu innovativen Therapien zu sichern, die Behandlungsqualität zu optimieren, eine zielgerichtete Forschung zu unterstützen, die Interessen der Betroffenen im gesundheitlichen Umfeld zu vertreten und die Position der Patienten-Vertreter zu stärken, die Bevölkerung über das Thema Hautkrebs zu informieren und nicht zuletzt die Selbsthilfe bundesweit zu etablieren. Ein wissenschaftlicher Beirat unterstützt die Arbeit des Vorstandes. Die Geschäftsstelle befindet sich in Stade. 

 

Vorstand und wissenschaftlicher. Beirat setzen sich, wie folgt zusammen:


1. Vors.: Annegret Meyer, Buxtehude

Stellv.: Anne Wispler, Berlin u. Volker Hodel, SHG Freiburg

Schatzmeister: Christian Ehl, Berlin

Schriftführerin: Claudia Meyer zu Tittingdorf, Minden

 

Wissenschaftlicher Beirat:

 

Prof. Dr. med. Eckhard Breitbart, Buxtehude

Dr. med. Peter Mohr, Buxtehude

Prof. Dr. med. Dirk Schadendorf, Essen

Dr. med. Claas Ulrich, Berlin

Dr. Christiane Weber, Saarbrücken

Ch. Ehl, A. Meyer, Volker Hodel, C. Meyer zu Tittingdorf, A. Wispler

D. Schadendorf, Ch. Weber, C. Ulrich, Ch. Ehl, E. Breitbart, A. Meyer,
P. Mohr, A. Wispler, V. Hodel, H.-W. Bötel, C.
Meyer zu Tittingdorf,
M. Kiehl

Ist die Heilung von schwarzem Hautkrebs in Sicht? Interview mit Dr. Peter Mohr, Leiter des Hautkrebszentrums in Buxtehude

(bim/nw). Der schwarze Hautkrebs gehörte bislang zu den Krankheiten mit der höchsten Sterberate. Doch neue zielgerichtete Kombinationstherapien und neue Immuntherapien lassen die Überlebensraten schon heute deutlich steigern. Dr. Peter Mohr, Chefarzt der Klinik für Dermatologie des Elbe Klinikums Buxtehude, Leiter des Hautkrebszentrums in Buxtehude und ehrenamtliches Kuratoriumsmitglied der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs, berichtet im WOCHENBLATT-Interview über die rasante Entwicklung bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs.

WOCHENBLATT: Herr Dr. Mohr, nach jahrzehntelangem Stillstand bei der Suche nach Methoden zur erfolgreichen Behandlung des Melanoms sind in den vergangenen fünf Jahren gleich sechs neue Substanzen und deren Kombinationen zugelassen worden. Was gab den Anstoß für die beeindruckenden Erfolge bei der Behandlung des malignem Melanoms?
Dr. Peter Mohr: Im Bereich der zielgerichteten Therapie gab die Entdeckung des Mutationscodes durch Boris Bastian im Jahre 2003 den Startschuss. Diese führte zu einem Durchbruch in der Medizin. Wir haben erkannt, wie die Mutation abläuft und wie sich die Zelle verändert. Wir konnten Medikamente entwickeln, die der Mutation entgegenwirken, die Signalgebung innerhalb der Krebszelle blockieren. Die erste zugelassene Substanz war 2011 das Vemurefenib. Das Ergebnis der ersten klinischen Studien war überwältigend: 90 Prozent der Patienten profitierten von der Therapie, denn der Tumor wurde kleiner, oder sein Wachstum kam zum Stillstand. Die Substanz wirkte extrem schnell. Die Erfolge hielten aber häufiger nicht lange vor, weil die Krebszellen Resistenzen entwickelten.

WOCHENBLATT: Welche Behandlungsmethoden wurden daraufhin entwickelt?
Dr. Peter Mohr: Moderne zielgerichtete Therapien der darauffolgenden Generation unterbrechen den Signalweg an zwei Stellen, dadurch wird eine Resistenzentwicklung seltener und ihr wird im Fall einer Entstehung wesentlich länger entgegengewirkt. Rund die Hälfte aller Patienten mit malignem Melanom können damit behandelt werden. Durch die Forschungen im Bereich Resistenzbildung konnten weitere Substanzen entwickelt werden, die einen weiteren „Kommunikationsweg“ innerhalb der Krebszelle blockieren, etwa durch die Kombination der Wirkstoffe Trametinib und Dabrafenib. Es werden heute auch die Substanzen Cobimetinib mit Vemurafenib kombiniert. Diese Wirkstoffe sind in der Kombination seit etwa einem halben Jahr zugelassen und verändern die Situation für die Erkrankten deutlich. Die neuen Medikamente sind für Patienten mit Metastasen eine Revolution.

WOCHENBLATT: Warum feiert die Immuntherapie gerade beim Kampf gegen das Melanom so große Erfolge?
Dr. Peter Mohr: Bei der Immuntherapie des Melanoms wurde 2011 der Wirkstoff Ipilinumab zugelassen. Er bekämpft nicht den Tumor, sondern regt das Immunsystem an, Tumorzellen anzugreifen. Das Immunsystem ist sehr komplex und eigentlich dafür da, Bakterien und Viren, aber auch Krebszellen anzugreifen. Dieser Angriff kann aber durch die Krebszelle selbst verhindert werden. Wir haben nach fünf Jahren das Ergebnis, dass 20 Prozent der Patienten nicht nur überlebt haben, sondern als wahrscheinlich überwiegend geheilt gelten. Doch die Forschung geht weiter: Neue Wirkstoffe wie das Pembrolizumab und Nivolumab und auch Kombinationen von Wirkstoffen im Bereich Immuntherapie verbessern die Überlebensrate. Die Erfolge in der Immuntherapie beim Melanom sind ein Meilenstein in der Krebstherapie für fast alle Tumorerkrankungen.

WOCHENBLATT: Wird Krebs heilbar sein?
Dr. Peter Mohr: Es laufen jetzt die Studien zur Kombination der beiden neuen Therapieansätze an, um die Langzeitüberlebensrate bzw. ggf. die Heilungsrate noch weiter zu erhöhen. In ca. drei Jahren werden wir wahrscheinlich in die Situation kommen, dass wir die Hälfte der Patienten mit einem fortgeschrittenen Melanom in ein Langzeitüberleben führen oder hoffentlich heilen können. An der Stelle machen wir aber nicht Schluss: Zum einen können wir die zielgerichteten Behandlungen mit den Immuntherapien kombinieren, zum anderen gibt es eine Fülle von anderen Substanzen, die wir benutzen können, um das Immunsystem zu beeinflussen. Ich denke, dass wir dem Hautkrebs über kurz oder lang den Schrecken abringen und den schwarzen Hautkrebs mit akzeptablen Nebenwirkungen behandelbar machen können.

Zur Person:

Dr. Peter Mohr graduierte 1989 von der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg, wo er im gleichen Jahr auch promovierte. 1994 wurde Dr. Mohr Facharzt für Dermatologie und Venerologie und ein Jahr später Oberarzt am Dermatologischen Zentrum in Buxtehude. Seit Dezember 2011 ist er leitender Arzt des nach OnkoZert zertifizierten Hautkrebszentrums Buxtehude. Seit dem 1. Dezember 2012 leiten Dr. Peter Mohr gemeinsam mit Dr. Andreas Kleinheinz als Chefärzte die Klinik für Dermatologie am Elbeklinikum in Buxtehude.
Dr. Mohr ist Mitglied einer Reihe von Vorständen einschließlich der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Onkologie (ADO), wo er von 2002 bis 2008 als Schatzmeister tätig war und seit 2008 Sekretär ist sowie der Global Melanoma Task Force (GMTF). 2005 wurde er auch in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP e.V.) gewählt. Er engagiert sich ehrenamtlich im Kuratorium der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs.

Dr. Mohr ist besonders spezialisiert in den Bereichen der Diagnostik und Therapie von Hautkrebs und dem malignen Melanom sowie dermatologischer Chirurgie, Palliativmedizin, Medikamentöse Tumortherapie, Forschung und der Weiterbildung von ärztlichem Personal. Er ist Principle Investigator in über 50 klinischen Studien und hat mehr als 300 nationale und internationale Vorträge gehalten. Er hat umfangreich und hochrangig auf dem Gebiet der Dermato-Onkologie publiziert.

Über die Stiftung:

Die Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs wurde 2006 von Familie Hiege in Erinnerung an Fleur Hiege gegründet. Fleur verstarb im Alter von nur 32 Jahren an schwarzem Hautkrebs. Ziel der Stiftung ist es, die Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Diagnostik und der Behandlung von Hautkrebs, insbesondere des schwarzen Hautkrebses, voranzubringen und die Prävention von Hautkrebs zu fördern. Insgesamt konnte die Stiftung die Hautkrebsforschung in Deutschland bisher mit rund einer Million Euro unterstützen. Die Stiftung ist die führende Privatstiftung gegen Hautkrebs. Infos unter www.hiege-stiftung-gegen-hautkrebs.de

Quelle: www.kreiszeitung-wochenblatt.de, Foto: Elbeklinikum Buxtehude

Krebsmediziner feiern Erfolge mit
neuen Antikörpern:
Neue Ära der Krebstherapie?

Unter dem Link der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) finden Sie stets aktuelle Informationen zum Thema Hautkrebs!

Ab 2015 wird Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt

Kinder- und Jugendärzte für mehr Schutz vor Hautkrebs

Susanne Klehn unterstützt Deutsche Krebshilfe

Hamburg/Bonn - Die Promi-Reporterin Susanne Klehn erkrankte mit 28 Jahren an einem malignen Melanom. Dieser sogenannte schwarze Hautkrebs ist bei Frauen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren die häufigste Tumordiagnose. Experten machen Solariennutzung in jungen Jahren sowie Sonnenbrände in der Kindheit dafür verantwortlich. Kinder- und Jugendärtze fordern daher effektive UV-Schutzmaßnahmen für junge Menschen sowie erweiterte U-Untersuchengen für Kinder und Jugendliche.

Hauptrisikofaktor für das Entstehen von Hautkrebs ist die ultraviolette (UV-) Strahlung - sowohl die natürliche der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien. Jährlich erkranken deutschlandweit etwa 251.000 Menschen neu an Hautkrebs - Tendenz steigend. Immer häufiger trifft die Diagnose auch Jüngere.

Susanne Klehn ist eine der Betroffenen. Wie sie diese Erkrankung erlebt hat, schildert sie in ihrem kürzlich veröffentlichten Buch "67 Prozent des Glücks". "Es ist mir eine Herzenssache zu helfen. Als ich vor sechs Jahren die Diagnose Hautkrebs erhielt, brauchte ich Menschen auf die ich mich stützen konnte", sagt Susanne Klehn. "Heute möchte ich etwas davon zurückgeben und Menschen dazu motivieren, ihre Haut achtsam vor UV-Strahlung zu schützen."

Der Schutz vor UV-Strahlen liegt ihr besonders am Herzen. "Der Wunsch nach Bräune um jeden Preis ist leider immer noch sehr verbreitet - sei es im Solarium oder beim Sonnen in der Mittagshitze", sagt Susanne Klehn. "Hier ist Umdenken angesagt! UV-Schutz beugt Hautkrebs vor."

"In der Kindheit und Jugend erworbene UV-Schäden der Haut sind ganz maßgeblich für das spätere Entstehen von Hautkrebs verantwortlich", betont Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP). "Daher muss ein verantwortungsvoller Umgang mit UV-Strahlung bereits bei den Kleinsten beginnen."

Pädiater unterstützen dieses Anliegen. "Um Hautkrebs zukünftig besser vorbeugen zu können, bedarf es erweiterter U-Untersuchungen für Kinder und Jugendliche. Diese sollten eine umfassende UV-Schutzberatung und darauf abgestimmte Untersuchungen enthalten", fordert Dr. Sigrid Peter, designierte Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ).

Richtiger UV-Schutz, von klein auf, ist seit Jahren ein Schwerpunktthema der gemeinsamen Arbeit der Deutschen Krebshilfe und der ADP. "Um gesamtgesellschaftlich ein verändertes UV-Schutzverhalten zu erreichen, setzen wir bei den Jüngsten an und beziehen alle wichtigen Akteure der verschiedenen Lebensphasen von null bis 18 Jahren mit ein. Dazu gehören beispielsweise Eltern, Erzieher, Lehrer, Ärzte sowie politische Verantwortliche", so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Neben dem individuellen Verhalten sind auch äußere Rahmenbedingungen beim UV-Schutz von Bedeutung. So setzen sich die Deutsche Krebshilfe und die ADP mit ihren Partnern ebenfalls dafür ein, dass Sonnensegel auf Schulhöfen und Spielplätzen sowie den Außenanlagen von Kindertagesstätten zur Normalität werden. Zukünftig wird die Deutsche Krebshilfe ihre Aktivitäten im Bereich UV-Schutz für Kinder und Jugendliche weiter verstärken. Unterstützt wird sie dabei auch vom Präventionszentrum des Universitäts KrebsCentrums Dresden (UCC) sowie vom Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) der Universität zu Köln.

Weitere Informationen bieten die Ratgeber und Faltblätter der Deutschen Krebshilfe. Diese Infomaterialien können unter www.krebshilfe.de kostenlos bestellt werden.

UV-Schutztipps für Kinder und Jugendliche

Vermeidung starker UV-Bestrahlung
 

  • Babys im ersten Lebensjahr nicht der direkten Sonne aussetzen.
  • Sonnenbrand stets vermeiden!
  • In der Mittagszeit zwischen 11 und 16 Uhr im Schatten aufhalten.
  • Bei Aktivitäten im Freien auf den UV-Index achten: www.bfs.de
  • Solarien sind für Kinder und Jugendliche tabu.

 

Sonnengerechte Kleidung

 

  • Textiler Sonnenschutz besteht aus: dicht gewebten T-Shirts oder Hemden, Tuch, Kappe oder Hut mit Schirm und Nackenschutz sowie Schuhen, die den Fußrücken schützen. Bei Sonnenschutzbekleidung auf Kennzeichnung achten: UV-Protection-Faktor UPF 30 oder Prüfsiegel "UV-Standard 801".
  • Sonnenbrille tragen. Einen geeigneten UV-Schutz bietet die Kennzeichnung DIN E 836 mit Standard "UV-400".

 

Sonnenschutzmittel

 

  • Unbekleidete Hautpartien von Kindern mit Sonnenschutzmitteln eincremen.
  • Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor LFS 30 benutzen, die einen UVA- und UVB-Schutz bieten und keine Duftstoffe enthalten.
  • Vor dem Sonnenaufenthalt Sonnencreme dick und gleichmäßig auftragen und besonders auf die "Sonnenterassen" des Körpers achten: Nase, Ohren, Lippen, Schultern und Fußrücken.
  • Eincremen nach zwei Stunden wiederholen, nach dem Baden ebenfalls.

Beim MPNE 2015 vom 24. - 26.04.2015 in Brüssel haben wir unser Projekt mit einem Poster vorgestellt:

The lighthouses show the way and demonstrate the brightness of the skin cancer organization.

Die Leuchttürme weisen den Weg und demonstrieren die Leuchtkraft der Hautkrebs-Patientenorganisation.

10 Jahre Selbsthilfegruppe
Hautkrebs Buxtehude

1. Deutscher
Hautkrebs-Patiententag

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